maik on tour

Süd- und Mittelamerika, 18. Oktober 2005 - 01. Mai 2006

Donnerstag, Juni 01, 2006

Tulum, Cozumel und Mexico City












Welch ein Kulturschock von Cuba ins amerikanisierte Cancun. Endlich wieder den Duft von Pommesöl in der Nase :-) und die Menschen sind an ihrem Umfang deutlich als Einwohner einer zivilisierten Überflussgesellschaft zu erkennen. Zwischen all den englisch sprechenden all-Inclusive Touristen schnappe ich mir mein Backpack und flüchte: Ins fast schon idyllische Tulum.
Am Tulum Beach miete ich zusammen mit zwei Spanierinnen und einem Italiener ein Beach Cabaña. Der ideale Ort, um Dan Brown's "Illuminati" in zwei Tagen und Nächten durchzulesen. Die Maya Ruinen lasse ich links liegen. Nach Bolivien und Peru ist mein Bedarf an Besichtigung von Überbleibsel vergangener Kulturen erstmal gestillt.

In Tulum ist es mir dann doch zu ruhig und trotz Tauschbemühungen konnte ich meinen Lesestoff nicht erneuern. Und so habe ich den Fehler begangen, auf die Insel Cozumel weiter zu reisen. Und hier waren sie, die grossen Hotelbunker. Und noch mehr all-inclusive Touristen. Und dann die Kreuzfahrttouris: Sie übertrumpften sich gegenseitig im sich-schlecht-kleiden und sinnloses-und-kitschiges-zeugkaufen-nur-weil-es-angeblich-billig-ist. Ich hatte Mitleid mit all den lieben Verwandten und Bekannten, welche diesen Ramsch bei Rückkehr als Geschenk erhalten werden. Und es womöglich - aus Höflichkeit - auch noch auf den Kamin stellen müssen. Oder zumindest in Griffnähe aufbewahren, damit sie es bei einem eventuellen Überraschungsbesuch der Schenker sofort prominent plazieren können, hihi...
Zumindest gabs auf Cozumel wieder Lesestoff und das nahe Riff (das zweitgrösste der Welt) lud zum Schnorcheln ein. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass das Wetter traumhaft und das Wasser Kristallklar war :-)
In Mexico City habe ich mir noch ein bisschen Stadtgeschichte, Kultur und Smog reingezogen, bevor ich am 30. April in den Flieger Richung London stieg. Die Vorfreude auf die Heimat war mindestens genau so gross wie die Vorfreude auf die Fremde vor der Reise. Ich bin dankbar, dass ich von ernsthaften Krankheiten oder sonstigen Bedrohungen verschont geblieben bin.

Donnerstag, April 20, 2006

Eine Welt gleichberechtigter, Taxi fahrender und servierender Akademiker

Ein top Bildungssystem, eine der tiefsten Analphabetenrate der Welt, eine Vielzahl fähiger Spezialisten in allen Gebieten der Wissenschaft. Doch der Arzt, der Anwalt, der Maschinenbauingenieur; sie alle haben nur einen Traumjob: Taxifahrer. Denn ein Job in CUBAs Tourismusindustrie bedeutet, unter Gleichen gleicher zu sein. Mehr Devisen zu haben um in Läden einkaufen zu können, die wirklich etwas im Regal stehen haben. Zwar sind die Unternehmen des Tourismus fest in der starken Hand des Staates. Aber es gibt nirgenwo soviel Spielraum um ein paar Peso Convertible (die harte Währung Cubas: 1 CUC = CHF 1.45) in die eigenen Tasche zu lenken wie im Tourismus. Das Tagestrinkgeld eines Kellners übersteigt das Monatseinkommen eines Arbeiters (10 - 15 CUC) bei Weitem. Soll ich nun als Arzt für 20 Dollar pro Monat arbeiten oder mit ein paar Taxifahrten - bei denen ich das Taxameter auf halber Strecke abstelle und den Touristen den vereinbarten Fixpreis verlange - locker ein mehrfaches einstreichen?
Als Tourist stört mich dies nicht wirklich. Doch es zeigt die Schwäche des Systems. Was mich als Tourist hingegen täglich stört sind die anderen Spezies. Die sogenannten "Schlepper". Offiziell arbeitslos und auch nicht wirklich an einer richtigen Arbeit interessiert, machen die Schlepper Jagd auf Touristen. Mit dem Trick, im Centrum gäbe es ein Salsafestival oder sie zeigen Dir die Bar, an der es den besten Mojito gibt und nur Cubaner hingehen, "schleppen" sie die Touristen in eine Kunstgalerie, versuchen ihnen gefälschte Zigarren zu verkaufen, wechseln Geld zu räuberischen Kursen etc. Und wenn dies alles nichts hilft und der Tourist nichts kaufen oder wechseln will, dann beginnt die Heulerei: "Amigo, ein paar Pesos um die Milch fuer meine kleine Tochter zu kaufen". Und schon halten Sie Dir Familienfotos unter die Nase, welche die Kleine bei ihrem 2. Geburtstag oder ähnliches zeigen. Und das ganze wiederholt sich mehrmals täglich. Es gibt nur ein Rezept: Ignorieren, Abschütteln. Dies kann allerdings dazu führen, dass dir auf spanisch irgendwelche unschönen Wörter hinterhergerufen werden...
Leider trägt all dies dazu bei, dass das Cuba-Erlebnis des Individualtouristen getrübt wird. Er muss damit rechnen, jedesmal wenn er seine Brieftasche zückt betrogen zu werden. Richtiges Wechselgeld erhalten? Äusserst selten! Fantasiepreise verlangt? Ziemlich häufig!

So. Nachdem er Frust von der Leber geschrieben wurde, erzähle ich euch über die schönen Seiten Cubas und die tollen Momente meiner 12-tägigen Cuba Reise mit meiner Liebsten.
In Havanna haben wir bei Marta im 14. Stock eines Mietsilos gewohnt. Aussen hässlich, doch im Inneren war die Wohnung ein wahres Schmuckstück. Wir haben das Frühstück mit Blick über die Dächer Havannas genossen! Ein gelungener Start. Das Centro sowie den von Kolonialbauten dominierten Stadtteil Havanna Vieja haben wir in kilometerlangen Spaziergängen zu Fuss erkundet. Vieja ist sehr touristisch, hat aber trotzdem Charme. Könnten die teilweise aufwändig restaurierten Gebäude sprechen, sie würden unglaubliche Geschichten von Hochs und Tiefs der Stadt erzählen.
Mit dem Touristen Linienbus haben wir die Reise Richtung Trinidad fortgesetzt. Das überschaubare Städtchen hat uns sehr gut gefallen. Doch wir spürten den Drang nach Strand. Auf dem Weg Richtung Nordwesten haben wir Denise und Patrick, zwei Schweizer aus Basel getroffen. Gemeinsam wollten wir auf die Halbinsel "Cayo Sabinal", um dort ein paar Tage in Hütten Robinson Cruso zu Spielen. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Ist das Wetter Nass, gehört die Halbinsel den Moskitos. Zum Glück wurden wir Rechtzeitig über diesen Umstand informiert. Und so verbrachten wir bei wechselhaftem Strandwetter ein paar Tage im kleinen Fischerdörfchen La Boca (die Fischer sind nur vordergründig Fischer - sie leben illegalerweise vom Tourismus). Die Reise zurück nach Havanna war mühsam und beinhaltete u. A. einen 5-stündigen Aufenthalt in einem schön dekorierten Wartesaal ;-)
Noch zwei Tage Schlendern in Havanna. Am Flughafen ein letztes Interview durch einen grimmigen Grenzbeamten. Eine letzte Machtdemonstration der Staatsmacht... Dann bin ich draussen und weiss, dass ich genau drei mal auf Cuba war: Das erste, letzte und einzige mal.

Dienstag, April 04, 2006

The Parasites of the Caribbean

Spätestens seit dem berühmten Deppenfilm müssten wir's eigentlich wissen: Die Karibik ist gefährlich... Doch erstmal der Reihe nach.
Von Lima aus bin ich direkt nach Cartagena, Nordkolumbien geflogen. Cartagena ist eine Kolonialstadt an der Karibikküste mit einer wunderschönen Altstadt. Aber der Grund hierherzukommen war ein anderer: Von hier aus gibt es regelmässig Segelgelegenheiten zu den San Blas Inseln, Panama. Am 2. Tag wurde ich auch schon fündig. Im Club Nautico von Cartagena bin ich auf Stephane und Béatrice aus Frankreich gestossen, die mit ihrem kleinen Segelboot seit 2 Jahren die Karibik durchkreuzen. Zu uns gesellten sich ein Sardinier, ein Argentinier und ein Kanadier. Bunte Truppe und die Vorfreude war gross.
Doch hier beginnt die Leidensgeschichte. Am Tag der Abreise wache ich mit Darmproblemen auf. Erst dachte ich: "naja, mal wieder was schlechtes gegessen. Geht wieder weg". Nach den ersten paar Stunden auf offenem Meer meldete sich dann auch noch der Magen (die Pille gegen Seekrankheit ist wegen den Darmproblemen quasi wirkungslos "durchgefallen"). Den hatte ich bald wieder im Griff doch der Darm wollte sich einfach nicht beruhigen. Und dies blieb die nächsten 6(!) Tage so. Während die Anderen Schnorchelten und die Karibik genossen (mit all ihren Früchten von Baum und Meer), bin ich völlig geschwächt rumgehangen, habe mich teilweise vor Schmerzen gekrümmt und konnte nichts tun. Immodium hat auch versagt und ich hatte regelrecht Angst zu dehydrieren. Am Tag 6 kam die erlösende Insel "Porvenir". Von hier aus gibt es Flüge mit Air Panama direkt nach Panama City. Habe dann am Folgetag um 6 Uhr den Morgenflug genommen (ziemlich abendteuerlich der Flug!) und bin direkt zum Arzt. Nach dem Laboruntersuch lautetet die Diagnose "Darmentzündung". Die Medkation hat nach 3 Tagen gegriffen und mein Wasserhaushalt ist wieder ok. Bis ich wieder Burger mit Fritten essen kann wird's wohl noch einige Wochen dauern...

Panama City
Panama City wäre wohl eine unbedeutende Stadt in Mittelamerika, wäre da nicht ihre geografisch vorteilhafte Lage. Der Panama Kanal ist Dreh- und Angelpunkt der Weltlogistik und mit der weiteren Zunahme der Bedeutung Chinas als "Fabrik der Welt" wird auch der Kanal und damit die Stadt selbst weiter an Bedeutung gewinnen. Im Miraflores Visitor Center kann sich der Besucher die Aktivitäten in den Schleusen ansehen und sich auf 4 Stockwerken über die Geschichte und die Bedeutung des Kanals informieren. Zudem verkauft sich Panama hervorragend. Das Real Estate Geschäft boomt und die Bankendichte ist (vermutlich) höher als in Zürich oder Genf. Offshore Banking (böse Zungen behaupten die Kolumbianer seien die besten Kunden...), Investment und internationaler Warenhandel. Panama boomt und genau dies ist in der Stadt zu spüren. Hier gibt's auch alles zu kaufen und dies zu vergleichsweise günstigen Preisen (vor allem Elektronik und billige Kleider - iPod Nano usd150.-). Dicke SUVs kreuzen durch die Strassen und vor dem "Snob Plaza" - heisst wirklich so, ist eine Luxus Shopping Mall - parken BMW 7er Limousinen. Zahlreiche Expats treffen sich in ihren Clubs und lesen Expat Medien in Englisch (z.B. www.panama-guide.com). Es herrscht Goldgräberstimmung.

Natürlich gibt es auch das andere Panama. Auch hier gibt es heruntergekommene Vorstädte und Leute die von ihren Karibikinseln weg sind um in der Stadt Wohlstand zu suchen. Auch hier gibt es die Mikrounternehmer, die auf der Strasse einzelne Zigaretten und Bonbons verkaufen. Und auch hier gibt es Bettler und Taschendiebe. Einfach nicht so offensichtlich wie in anderen Städten. Und obschon die Polizeipräsenz tiefer ist als in anderen Städten gilt Panama als sicheres Land für den Tourismus (gem. diversen Ratings).

Gerne hätte ich mehr von Panama gesehen und gerne wäre ich aus der Stadt raus um an der Pazifikküste Schnorcheln oder Sufen zu gehen. Es war jedoch wichtiger, mich richtig von meiner Infektion zu erholen um die nächste und zweitletzte Station meiner Reise - CUBA - gesund in Angriff nehmen zu können.
Morgen 5. April geht mein Flug nach Havanna. Am 6. kommt meine Liebste in Havanna an und wir werden zusammen 12 Tage lang die Insel bereisen und die Strände geniessen.

Sonntag, März 19, 2006

Verraten, verkauft, vergessen: Die Strassenkinder von Lima

Ich weiss gar nicht, wo und wie ich anfangen soll, euch von diesem Elend zu berichten.
Bin derzeit in Lima und darf Gast sein bei einer Bekannten der Familie meiner Liebsten. Vreni Müllhaupt arbeitet seit 14 Jahren als Missionarin der Schweizerischen Missions-Gemeinschaft in Lima auf der Strasse. Seit 5 Jahren unterstützt sie das Centro Shama, ein Zufluchtshaus für Strassenjungs in Lima.

Warum landet ein Kind auf der Strasse?
Familien ziehen in die Stadt in der Hoffnung auf ein besseres Leben und mehr Wohlstand. Weil sie Nichts haben, landen sie (wenns gut kommt) in einer Blech- oder Strohhütte einer Stadtrandsiedlung, einem sog. Pueblo Joven. Weil die Eltern keine Arbeit finden oder ihr Verdienst zum Unterhalt der Familie nicht ausreicht, müssen die Kinder zum Unterhalt der Familie beitragen. Nicht selten sind es nur die Kinder, die den ganzen Familienunterhalt verdienen müssen, während die Eltern den Drogen oder dem Alkohol verfallen. Wer abends nicht das geforderte Soll nach Hause bringt, wird verprügelt und misshandelt. Einige Kinder werden von den Familienangehörigen Misshandelt und Missbraucht oder für schwere Arbeiten als Taglöhner verkauft. Sie werden weder geliebt noch geachtet. Wer würde unter diesen Umständen nicht die Strasse vorziehen und der Familie für immer den Rücken kehren? Wer würde sich unter diesen Umständen nicht in sein Schneckenhaus zurückziehen und allen misstrauen, die einem über den Weg laufen?

Die Arbeit des Centro Shama
1) Nächtliche Einsätze auf der Strasse
Die Mitarbeiter und Volunträre des Centro gehen mehrmals pro Woche Nachts auf die Strasse. Die Kinder und Obdachlosen kennen die Shama-Leute bereits und begrüssen und umarmen sie freudestrahlend. Ich war Mittwoch und Donnerstag Nacht bei diesen Strasseneinsätzen dabei. Schon die Taxifahrt in diese Gegenden verursachte Magenkrämpfe. Der Taxifahrer hat dann auch noch ausdrücklich davor gewarnt, dort auszusteigen...
Shama geht auf die Strasse, um mit den Strassenkindern und den Obdachlosen zu singen und zu beten. Sie bringen warme Milch (Schokomilch mit Zucker, Zimt und Hafer) und Brot (pro Einsatz 40lt Milch und 200 Brötchen). Das Eindrücklichste für mich war, dass ich wie ein alter Bekannter begrüsst wurde und das die Kinder einem trotz den widrigen Umständen ein lächeln schenken und fröhlich sind. Dies ist insbesonder hoch zu werten, als die Kinder - bedingt durch ihre Vergangenheit und schlechte Erfahrungen - nur denen Berührung und Liebe schenken, denen sie vertrauen. Sie vertrauen den Streetworkern des Shama.

2) Zufluchtshaus für Strassenjungs
Im Zufluchtshaus des Centro Shama haben bisher 21 Jungs ein neues Zuhause und eine "Ersatzfamilie" gefunden. Sie gewöhnen sich wieder an einen strukturierten Alltag. Sie gehen zur Schule und müssen im Haus ihre Aufgaben erfüllen (Arbeitsplan): Küchendienst, Gartenarbeit, Tiere füttern etc. Das Centro versucht für jeden Jungen eine individuelle Lösung zu suchen. Besonders im schulischen Bereich ist dies eine Herausforderung, weil den Kindern oft etliche Schuljahre fehlen. Betreute Hausaufgaben und extrastunden sind fix auf dem Tagesplan. Obschon die Mittel wirtschaftlich eingesetzt wird und das Centro gut geführt ist, fehlt es an allen Ecken und Enden an Geld. Das Centro hätte Platz für weitere 25 Jungs, jedoch fehlt das Geld für weiteres Personal und den Unterhalt des Centro. Auf die Köchin musste verzichtet werden, weil ihr Lohn nicht mehr bezahlt werden konnte und die Wasserpumpe (durch Leitungsbruch defekt) wurde auch erst in letzter Minute ersetzt (nach einem halben Jahr).

Ich will den Strassenkindern und dem Centro Shama Helfen. Was kann ich tun?
Zuerst möchte ich nochmals erwähnen, dass die Mittel hier mit Bedacht eingesetzt werden. So wurde zum Beispiel bewusst auf die Installation von Warmwasserduschen im Centro Shama verzichtet: Die Kinder werden meist ihr Lehen lang der untersten sozialen Schicht angehören und auch später kalt duschen müssen. Gas- oder elektrische Durchlauferhitzer für die Duschen würden den Energie- und Wasserverbrauch und somit die Kosten nur unnötig in die Höhe treiben.

Spenden ans Centro Shama
Spenden auf ein Konto in der Schweiz: Schweizerische Missionsgemeinschaft (SMG), Züricherstr.106, CH-8700 Küsnacht PC 80-42881-3 (Vermerk: V. Müllhaupt, Centro Shama)
Diese Spenden kommen vollumfänglich dem Centro Shama zu!

Patenschaft, monatlicher Beitrag
Wer regelmässig unterstützen will hat die Möglichkeit, als Pate oder Patin einen Jungen vom Zufluchtshaus des Centro Shama zu unterstützen.
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Kosten für Essen, Erziehung (Schule), Gesundheit, Freizeit und Anteil für Unterhalt Centro Shama 100.00 US Dollar für ein Monat.
- F
ür Erziehung, Essen, Gesundheit, Freizeit 50.00 US Dollar für ein Monat.
- Für Essen (Frühstück, Mittag und Abendessen) 30.00 US Dollar für ein Monat.
Interessenten wenden sich an mich. Ich werde eure Mail an Vreni weiterleiten.

Selbstverständlich werden alle Spenden verdankt (inkl. Spendennachweis zu Steuerzwecken).

Weitere Infos und Bilder findet ihr unter http://www.centroshama.org.pe/ in Deutsch, Englisch und Spanisch. Weiterleiten und Weitersagen erlaubt!

Samstag, März 18, 2006

Auf dem Inka Trail nach Machu Picchu

Wer nach Cusco geht, besucht immer auch die 1911 wiederentdeckte Inka Stadt Machu Picchu. Viele Wege führen nach Machu Picchu. Der berühmteste und meistbegangene davon ist der "Camino Inca" - der alte Inkapfad von Cusco nach Machu Picchu. Der Camino darf seit 2004 nur noch in organisierten und geführten Gruppen begangen werden. Und wieder war der Gang auf eine Agentur und das Feilschen um den Preis unumgänglich. Die klassische Tour dauert 4 Tage, 3 Nächte. Sie startet auf dem Inca Trail bei KM 82 (ab Cusco gerechnet) und führt über 3 Pässe (der höchste davon 4215müM!) bis nach Machu Picchu. Die Agentur stellt dabei Campingmaterial, Essen, Guide und Porter (für Camping und Küche) zur Verfügung. Kostenpunkt vor Verhandlung USD220, nach dem Feilschen USD180 (Studenten 150).

Inca Trail Tag 1, Cusco - Huayllabamba
Wie von der Agentur angekündigt, stand ich am Freitag 9. März um 06.30 Uhr mit gepacktem Rucksack auf der Matte vor meinem Hostal. Und ich wartete; und wartete. Eine geschlagene Stunde später wurde ich dann tatsächlich abgeholt. Peruanisch pünktlich. Wer dachte, es gehe jetzt los, hat sich getäuscht. Mit dem voll besetzten Bus gings erst noch zum Depot, um das Campingmaterial und die Porter aufzuladen (meine Güte, macht man das nicht bevor man die Touris einsammelt???). Ca. 10 km vor unserem Ausgangspunkt war die Strasse unpassierbar (Erdrutsch). Unsere Guias und Porter haben den Strassenarbeitern unter die Arme gegriffen und innert 30 Minuten war die Strasse geräumt. Auf gings zu Km 82 und von dort zu Fuss auf den Camino Inca. Wwei Stunden lang durch den Urubamba Canyon und anschliessend den Berg hoch nach Huayllabamba, unserem ersten Nachtlager. Die Porter waren schon vor uns dort, haben die Zelte aufgestellt und uns The und Snacks zubereitet.

Inca Trail Tag 2, Huayllabamba – Pacaymayo
Morgens um 6 werden wir mit Cocathe von den Portern geweckt. Das erste Fühstück besteht aus Fruchtsalat, Toasts und Pancakes: einfach unglaublich! Tag zwei ist der strengste Tag des Trail. Wir steigen die unzähligen (tausende!) von Treppen des Llullucha Tal hoch - bis Warmiwañusca (4215müM). Hier sind wir bereits hundemüde. Die Porter, beladen mit Säcken bis zu 25kg (plus eigenes Gepäck), rennen förmlich den Berg hoch. Die Passhöhe eröffnet einen wunderbaren Blick über das Huayanay Massiv. Wir steigen die Treppen hinunter ins Pacaymayo Tal, wo unsere Zelte und der The für uns bereitstehen.

Inca Trail Tag 3, Pacaymayo – Wiñay Wayna
Weiter geht's über den zweiten Pass (wieder Treppen!), vorbei an den Inkaruinen Runkuracay und Sayacmarca ins Aobamba Tal. Der Camino führt weiter durch Wälder und Hügel zum dritten Pass des Trails und einer weiteren Inkaruine, Phuyupatamarca (Stadt in den Wolken). Von nun an geht's kräftig in die Knie: nochmals etwa 2 Stunden Abstieg über die steilen Inkatreppen zu den Ruinen von Wiñay Wayna. Dies ist das letzte Nachtlager. Erschöpft gönnen wir uns ein Bier und klopfen einen Jass :-)

Inca Trail Tag 4, Wiñay Wayna - Machu Picchu - Aguas Calientes
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt morgens um 5 Uhr für irgendetwas anstehen musste. Die Tore des letzten Checkpoint öffnen um 5.30 Uhr. Eine halbe Stunde vorher stehen die Gruppen bereits vor dem Gate (Tagwache war um 4 Uhr!). Trotz Müdigkeit und Muskelschmerzen von den vielen Treppen rennen wir förmlich dem Ziel entgegen. Auf der letzten Höhe angekommen, eröffnet sich uns der Blick von oben auf Machu Picchu - geschafft! Wir nehmen die letzten Kilometer Abstieg unter die Füsse und kommen zufrieden aber fix und fertig auf Machu Picchu an. Richard, unser Guide (ebenfalls ziemlich groggy), musste bei der anschliessenden 2-stündigen Führung durch die Inkastadt um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Im Anschluss gings hinunter ins Dorf "Aguas Calientes". Ich war zu stolz in den (6usd teuren) Bus zu steigen und habe die letzten 5/4 Stunden auch noch unter die Füsse genommen - 1 Stunde davon Abstieg über Treppen :-(

Ich bleibe noch eine Nacht in Aguas Calientes und gönne mir am Folgetag zwei Stunden in den heissen Quellen von Aguas Calientes. Die Anlage ist zwar nicht so toll und das Wasser riecht beissend nach Schwefel. Aber die Temparatur des Wassers ist eine Wohltat für die strapazierten Muskeln und Bänder.

Treffe in Cusco nochmals Eva und Evi, die seit Anfang Februar Abschnittsweise die gleiche Reiseroute hatten. Wir gönnen uns ein Fondue Bourguignonne und ein flambiertes Crêpe im "A la petite France", mhhh. Die beiden beginnen jetzt ihr 3-monatiges Praktikum an einer Schule mit behinderten Kindern in Cusco. Viel Erfolg dabei, ihr beiden!

Ich sage dem Altiplano und damit den kalten Nächten definitiv Tschüss. Ich steigen ins Flugzeug nach Lima. Ist zwar viermal so teuer wie der Bus. Aber nach all den Busfahrten in Bolivien und Peru könne ich mir den Luxus. 1 Stunde Flug statt 16 Stunden Bus. Welch eine Freude! Sommer, Sonne und Strand: ich komme!

Montag, März 06, 2006

Sexy Woman am Nabel der Welt

Bin in Cusco, Peru angekommen. Das Wort Cusco (Qusqu) entstammt dem Quechua (Sprache der Inka) und bedeutet "Nabel der Welt". Heute wird Cusco auch als Gringo Kapitale Perus bezeichnet. Seit der Entdeckung der Inka Ruinen "Machu Picchu" 1911 und dank einer Vielzahl weiteren Inkaruinen in und um Cusco ist die Stadt heute Touristenhochburg Nummer 1. Dies macht sich auch in den Preisen und (einmal mehr) an der Präsenz von unzähligen Tourismusagenturen bemerkbar. X schleimige Typen die auf der Stasse vor ihrer Agentur stehen und einen mit Amigo Parolen und Flyer zudecken. Sogar für mich als erprobter Vollzeit Tourist eine echte Geduldsprobe :-)
Bevor ich nach Cusco gefahren bin habe ich eine Gruppe Chilenos getroffen, die mich in Sachen Preisen gebrieft haben. Und so konnte ich überall den Insider mimen (Beim Taxifahrer "que 4 soles?? dos no más"; in der Wäscherei "te pago 3 soles por kg. sale o no?"; und in der agentur für die city & valle tour "quando me pide precios de fantasia, me voy a la agencia enfrente. el paquete vale 35, no más!"). Habe auf der Tour durch das Valle tatsächlich so einen armen Engländer getroffen, der fürs Gleiche 70 soles bezahlt hat :-/

Jeder Tourist muss zudem ein "Boleto Turistico" für 70 Soles (28 CHF) kaufen, um die Sehenswürdigkeiten in und um Cusco besuchen zu dürfen. Doch die City und Valle Tour haben sich gelohnt. Die Guides waren sehr wissend und lebendig (sie wollen sich ein gutes Trinkgeld verdienen). Ich habe eine Vielzahl von Inkastätten mit unaussprechlichem Namen in und um Cusco besucht. Unter Anderem eben SAQSAYWAMAN - nicht sexy woman :-). War sehr lehrreich. Bei jeder Ruine wurden die Touristen von einer Horde mobiler Verkäuferinnen und Verkäufer belästigt: Strickwaren aus Alpaca, Fingerpuppen, Mais mit Käse, irgendwelche geschnitzten Figuren, Pan- und sonstige Flöten etc. etc. Oder sie wollten einfach für ein Foto posieren und sich dafür bezahlen lassen. Echt anstrengend. Das Irish Pub (!) am Plaza de Armas in Cusco verkauft ein T-shirt auf dem simpel und einfach geschrieben steht: "no gracias". Doch das Ding kostet doch tatsächlich 30 Soles (12 Franken) --> no gracias!

Samstag, März 04, 2006

Eine Busfahrt, die ist lustig...

Auf dem Rückweg vom Colca Canyon hat sich wieder einmal eine unglaubliche Busgeschichte zugetragen. Der Bus von "Anda Lucia" war hoffnungslos überladen. Zwischen jeder Sitzreihe standen mindestens zwei Leute zusätzlich. Und die Passagiere haben kräftig reklamiert: "Missbrauch! Gefährlich für Alle! So darf man nicht fahren!". Den Busfahrer hat's nicht beeindruckt. Beim ersten Sicherheitsposten der Polizei auf der Strecke haben einige Leute das Fenster geöffnet und die Polizei mit den gleichen Worten zur Kontrolle aufgefordert. Doch auch die Polizei hat's nicht beeindruckt. Sie hat sämtliche Augen und Ohren geschlossen und den Bus durchgewunken. Einfach unglaublich! Freue mich direkt auf die überfüllten SBB Züge zur Rush-hour. Die sind wenigstens sicher. Und es reisen keine Hühner, Schafe und Lamas mit ;-)