maik on tour

Süd- und Mittelamerika, 18. Oktober 2005 - 01. Mai 2006

Dienstag, Februar 28, 2006

Mit dem Boot durch die Yungas

Wieder mal war Nichts unmöglich: Wir wurden in dem für diese Gegend zuverlässigsten Fahrzeug, einem Toyota Landcruiser, von Coroico nach Guanay chauffiert. Und wieder war die Strasse furchteinflössend. Noch ein bisschen vom Regen des Vortags aufgeweicht, löchrig und mit abgrundtiefem Abgrund zur Linken. "Aqui se cayó bus hace un mes" (hier ist vor einem Monat ein Bus runtergefallen), bemerkte unser Chauffeur so nebenbei. Der Fluss war damals noch 2 Meter höher und ca. 8 Personen sind einfach auf Nimmer Wiedersehen in den Fluten verschwunden. Brrr.
In Guanay wurden wir bereits erwartet. Das Flussboot, eine Nusschale mit Aussenborder und simpler Dachplache, sollte unser Transportmittel sein für die nächsten 3 Tage. Es kam uns bereits spanisch vor, dass dermassen viele Leute auf uns warteten. Alle wurden als Guias vorgestellt, was einen Guide-zu-Tourist-Ratio von 1:1 ergab. Später stellte sich heraus, dass 2/3 von ihnen Passagiere waren - die 1/4 dessen bezahlt haben, was wir der Agentur abgerückt haben. Nun gut.
Die Selva war beeindruckend und Goyo, unser (echter) Guide und Kapitän des Flusstuckers sehr erfahren und kenntnisreich. Wir haben Wasser aus Lianen getrunken, Cacao in seiner reinsten Form - direkt vom Baum - gesehen und geknabbert. Der Fluss war einigermassen ruhig. Nicht zuletzt desshalb, weil Goyo und sein Ayudante die kritischen Stellen blind kannten (13 Jahre Erfahrung auf dieser Strecke).
Die Nachtlager waren simpel, ebenso wie das Essen. Die vielen Guias taten sich schwer mit der Organisation in der Küche. Zum Glück hatten Nila und Reto ein Fertigfondue aus der Schweiz mitgebracht. Fondue im Jungel! Pity, unser brasilianischer Guia-Passagier traute seinen Augen kaum. Doch er hat mitprobiert. Dem Kommentar nach hat's ihm geschmeckt, doch sein Gesichtsausdruck war wohl ehrlicher ;-)
Die zweite Nacht haben wir bei einer wirklich armen Familie verbracht. Ein kranker Vater (dem Keuchen nach Lunge) mit seinen 5 Kindern. Dies war wirklich schwer zu ertragen. Jeder von uns hatte in seinem Rucksack mehr Sachen, als die Familie zusammen besitzt. Habe Kleider und Reste meiner Campingküche gespendet. Später in Rurrenembaque haben Eva und Pity noch kräftig eingekauft und Goyo hat die Sachen auf dem Rückweg (hoffentlich!) den Empfängern überbracht.
Bei einem Zufluss mit frischem Wasser und Wasserfall haben wir uns von 3 Tagen Jungel gesäubert. Die Kraft des Wassers war gefährlich, zumal nicht alle (um nicht zu sagen die meisten) der Guias nicht wirklich schwimmen konnten. Einschub: Der Witz dabei ist, dass sie jeweils von uns verlangt haben, bei den gefährlichen Stellen die Schwimmweste zu tragen (las turistas tienen que ponerse las salvavidas). Wir haben sie nicht getragen. Hatten sie aber Griffbereit, um sie notfalls den Guias nachwerfen zu können ;-)
Die Latinos mussten natürlich noch die coolen Jungs spielen, was Pity aufgrund seiner missglückten Performance - ein abgerutschter Rückwärtssalto - eine fette Platzwunde auf dem Kopf eintrug. Bei uns hätte man dies sofort genäht. Im Jungel schneidet man die Haare mit der Nagelschere weg, gibt ein bisschen Merfen drauf und pampt das Ganze mit steriler Gase und Klebeband zu. Die "medicos" aus der Schweiz haben ihr Bestes gegeben.
In Rurre haben wir noch zwei Nächte ausgespannt und die zahlreichen Mosquitostiche und Sandflohbisse (so zwischen 50 und 70 pro Nase) behandelt.

Den Schutzengel nochmals strapaziert...
Eigentlich wollten wir von Rurre nach La Paz zurückfliegen. Die Nachfrage hat jedoch das Angebot überstiegen (bis auf 1 Woche ausgebucht). Somit blieb uns nichts anderes übrig, als die 19-stündige Holperfahrt mit dem Bus in Angriff zu nehmen. Wie die Strasse aussieht, hab ich ja bereits erwähnt (se cayó bus...). Das wir die ganze Nacht (dunkel, Regen) unterwegs waren und der Chauffeur nie abgelöst wurde, hat uns auch nicht wirklich beruhigt. 19 Stunden Angst - gäbe wohl Stoff für einen Hollywoodstreifen. Nun denn: Wir sind heil in La Paz angekommen. Gott sei Dank!