maik on tour

Süd- und Mittelamerika, 18. Oktober 2005 - 01. Mai 2006

Donnerstag, April 20, 2006

Eine Welt gleichberechtigter, Taxi fahrender und servierender Akademiker

Ein top Bildungssystem, eine der tiefsten Analphabetenrate der Welt, eine Vielzahl fähiger Spezialisten in allen Gebieten der Wissenschaft. Doch der Arzt, der Anwalt, der Maschinenbauingenieur; sie alle haben nur einen Traumjob: Taxifahrer. Denn ein Job in CUBAs Tourismusindustrie bedeutet, unter Gleichen gleicher zu sein. Mehr Devisen zu haben um in Läden einkaufen zu können, die wirklich etwas im Regal stehen haben. Zwar sind die Unternehmen des Tourismus fest in der starken Hand des Staates. Aber es gibt nirgenwo soviel Spielraum um ein paar Peso Convertible (die harte Währung Cubas: 1 CUC = CHF 1.45) in die eigenen Tasche zu lenken wie im Tourismus. Das Tagestrinkgeld eines Kellners übersteigt das Monatseinkommen eines Arbeiters (10 - 15 CUC) bei Weitem. Soll ich nun als Arzt für 20 Dollar pro Monat arbeiten oder mit ein paar Taxifahrten - bei denen ich das Taxameter auf halber Strecke abstelle und den Touristen den vereinbarten Fixpreis verlange - locker ein mehrfaches einstreichen?
Als Tourist stört mich dies nicht wirklich. Doch es zeigt die Schwäche des Systems. Was mich als Tourist hingegen täglich stört sind die anderen Spezies. Die sogenannten "Schlepper". Offiziell arbeitslos und auch nicht wirklich an einer richtigen Arbeit interessiert, machen die Schlepper Jagd auf Touristen. Mit dem Trick, im Centrum gäbe es ein Salsafestival oder sie zeigen Dir die Bar, an der es den besten Mojito gibt und nur Cubaner hingehen, "schleppen" sie die Touristen in eine Kunstgalerie, versuchen ihnen gefälschte Zigarren zu verkaufen, wechseln Geld zu räuberischen Kursen etc. Und wenn dies alles nichts hilft und der Tourist nichts kaufen oder wechseln will, dann beginnt die Heulerei: "Amigo, ein paar Pesos um die Milch fuer meine kleine Tochter zu kaufen". Und schon halten Sie Dir Familienfotos unter die Nase, welche die Kleine bei ihrem 2. Geburtstag oder ähnliches zeigen. Und das ganze wiederholt sich mehrmals täglich. Es gibt nur ein Rezept: Ignorieren, Abschütteln. Dies kann allerdings dazu führen, dass dir auf spanisch irgendwelche unschönen Wörter hinterhergerufen werden...
Leider trägt all dies dazu bei, dass das Cuba-Erlebnis des Individualtouristen getrübt wird. Er muss damit rechnen, jedesmal wenn er seine Brieftasche zückt betrogen zu werden. Richtiges Wechselgeld erhalten? Äusserst selten! Fantasiepreise verlangt? Ziemlich häufig!

So. Nachdem er Frust von der Leber geschrieben wurde, erzähle ich euch über die schönen Seiten Cubas und die tollen Momente meiner 12-tägigen Cuba Reise mit meiner Liebsten.
In Havanna haben wir bei Marta im 14. Stock eines Mietsilos gewohnt. Aussen hässlich, doch im Inneren war die Wohnung ein wahres Schmuckstück. Wir haben das Frühstück mit Blick über die Dächer Havannas genossen! Ein gelungener Start. Das Centro sowie den von Kolonialbauten dominierten Stadtteil Havanna Vieja haben wir in kilometerlangen Spaziergängen zu Fuss erkundet. Vieja ist sehr touristisch, hat aber trotzdem Charme. Könnten die teilweise aufwändig restaurierten Gebäude sprechen, sie würden unglaubliche Geschichten von Hochs und Tiefs der Stadt erzählen.
Mit dem Touristen Linienbus haben wir die Reise Richtung Trinidad fortgesetzt. Das überschaubare Städtchen hat uns sehr gut gefallen. Doch wir spürten den Drang nach Strand. Auf dem Weg Richtung Nordwesten haben wir Denise und Patrick, zwei Schweizer aus Basel getroffen. Gemeinsam wollten wir auf die Halbinsel "Cayo Sabinal", um dort ein paar Tage in Hütten Robinson Cruso zu Spielen. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Ist das Wetter Nass, gehört die Halbinsel den Moskitos. Zum Glück wurden wir Rechtzeitig über diesen Umstand informiert. Und so verbrachten wir bei wechselhaftem Strandwetter ein paar Tage im kleinen Fischerdörfchen La Boca (die Fischer sind nur vordergründig Fischer - sie leben illegalerweise vom Tourismus). Die Reise zurück nach Havanna war mühsam und beinhaltete u. A. einen 5-stündigen Aufenthalt in einem schön dekorierten Wartesaal ;-)
Noch zwei Tage Schlendern in Havanna. Am Flughafen ein letztes Interview durch einen grimmigen Grenzbeamten. Eine letzte Machtdemonstration der Staatsmacht... Dann bin ich draussen und weiss, dass ich genau drei mal auf Cuba war: Das erste, letzte und einzige mal.